Sauer

Matthias Büchse am 10. November 2006 in Dresden.

Ich bin stinksauer. Ich weiß, daß ich mich in meinem Alter nicht mehr so aufregen sollte, aber was ich heute am Hauptbahnhof erlebt habe, schlägt wirklich dem Faß die Krone ins Gesicht.

Heute sollte der Hauptbahnhof ja wiedereröffnet werden – obwohl er gar nicht geschlossen war. Insbesondere sollten anläßlich dieses Ereignisses die Geschäfte von 19:30 Uhr bis Mitternacht geöffnet haben. Da denkt man: Wunderbar, die Gelegenheit wird gleich genutzt, um dem Burger King einen Besuch abzustatten. Und man geht nichtsahnend los, ohne einen Plan, welche Straßenbahn denn zu nutzen sei oder ob diese überhaupt zeitnah (wie wir Germanisten sagen) abfahre.

Aufgrund diverser Bauarbeiten entlang der St. Petersburger Straße fuhr die 7, die ich tatsächlich zeitnah erreichte, nicht über Hauptbahnhof, so daß ich zwei Haltestellen vorher ausstieg, um den restlichen Weg total gechillt zu Fuß zurückzulegen. Ich hörte so eine – man könnte sagen – Wettermusik, wie sie von einschlägigen Nachrichtenkanälen nachts zum Wetterfilm gespielt werden könnte, also so das Belangloseste und Seelenbaumeligste, was man so finden kann. Gewissermaßen eine Mischung aus Vanessa-Mae und Oliver Shanti.

Ich kam also gechillt, aber keineswegs ausgeglichen am medial vom mdr voll berücksichtigten Bahnhof an. Herrschaften! Es war die Hölle! Alles war voll mit Grüppchen plan- und ziellos herumirrender oder -stehender, überforderter älterer Menschen (auch bekannt als: ältere Menschen), und die Empfangshalle wurde zu allem Überfluß mit Dixieland-Musik beschallt. Ins Burger King gelangte man freilich nur mit Mühe.

Kritische Leser werden anmerken, das sei doch zu erwarten gewesen. Nun, in meiner Naivität habe ich wieder einmal zu viel verlangt. Man kann doch sagen: Aha, der Bahnhof wird eröffnet, da gehe ich mal zügig durch und schaue ihn mir an. Oder: Aha, die Geschäfte sind länger offen, da gehe ich mal zügig rein und genieße einen Burger oder eine Cola. Aber nein.

In dieser bereits angespannten Lage sollte sich endgültig ein Verdacht von mir bestätigen: Die meisten Leute brauchen im Fast-Food-Lokal länger zum Bestellen als zum Essen. Es ist wirklich schwierig, die Fassung zu bewahren, wenn vor einem so ne unentschlossene Mutti und ihr Lebensabschnittsgefährte stehen, die die eigentlich recht übersichtliche Speisekarte nicht kapieren, und hinter einem – nein, sogar neben einem, denn Benehmen ist nicht üblich – so ein ungeduldiger Balg mit nem Fünf-Euro-Schein. Dazu dann, sozusagen als Krönung des Ganzen, diese bekloppte Dixieland-Musik.

Ich bestellte also zum Mitnehmen, um mich schnellstmöglich wieder zu verkrümeln. An dieser Stelle möchte ich der DVB AG danken, die mir mit einer unkomplizierten Verbindung gute Dienste geleistet hat. Am World Trade Center mußte ich zwecks Umsteigen eine Kreuzung überqueren. Ich gehe natürlich direkt (und ohne Umschweife über befestigte Wege) aus der Straßenbahn die Böschung in Richtung Kreuzung hoch, da höre ich doch tatsächlich hinter mir: Du bleibst hier! Da fehlte doch nur noch das Horst-Kevin. Erschrocken drehte ich mich um, doch der Befehl dieser offenbar leicht nervösen Mutti galt ihrem ca. fünfjährigen Sohn, der es mir anscheinend gleichtun wollte.

Herrje, was bin ich froh, daß ich diese Frau nicht dabei haben muß. Die nervt ja schon maximal, wenn man nicht mal selbst gemeint ist.

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© 2006
Matthias Büchse